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Die Geschichte von Hecklingen


Unterhalb der Burg Lichteneck im Breisgau liegt das Dorf Hecklingen, durchzogen von der alten Landstraße, an drei Seiten von Weinbergen umgeben, im Westen von der Elz begrenzt. Dies waren auch die Faktoren, die das Leben der Einwohner Jahrhunderte hindurch bestimmten.


Die exponierte Lage des Schloßberges oberhalb der fischreichen Elz verlockte wohl schon stein- und bronzezeitliche Jäger und Sammler zu einer Niederlassung, was auch durch aufgefundene Pfeilspitzen belegt ist. Auch die Römer erkannten die wichtige strategische Lage dieses Ortes und legten zumindest einen Aussichtspunkt, vermutlich sogar ein kleines Kastell an. Mauerfunde und überlieferte Gewannnamen wie Steinhauser, Heerstraße und Spiegler belegen dies.


Doch auch die Zeit der Weltmacht Rom ging einmal zu Ende, als im Zuge der Völkerwanderungen immer mehr Alemannen in dieses Gebiet drängten. So zogen sich die Römer zuerst hinter den Rhein zurück, während die neuen Herren erst noch wie gewohnt umherzogen, sich dann aber nach und nach sesshaft niederließen. Dies führte in unserer Gegend zur Gründung der Dörfer mit der Endung -ingen, die sich nach dem Oberhaupt der jeweiligen Sippen benannten. Bei Hecklingen waren das z.B die Stammesangehörigen eines Hugilo oder Hegilo.


Die ansässigen Alemannen wohnten in einfachen Holz- oder Erdbauten, sie mieden die Steinhäuser aus der römischen Zeit. Der Lebensunterhalt wurde durch Jagen und Fischen sowie durch den Anbau einfacher Feldfrüchte gesichert. Ihr lockerer Personenverband unterstand einem Herzog, der in Kriegszeiten alle waffenfähigen Männer zusammenrief. Mit der Zeit spezialisierten sich jedoch die Anwohner, der Kriegsdienst blieb nur noch bestimmten Leuten überlassen, während der Rest der Bevölkerung für die Nahrungsbeschaffung weitersorgen konnte.


Dies führte zu einer immer stärker ausgeprägten Machtverlagerung an diese Kriegerkaste, aus denen sich dann der landbesitzende Adel, die ersten Barone, Grafen und Fürsten, herausbildeten. Die Landwirtschaft betreibende Bevölkerung geriet immer mehr in deren Abhängigkeit. Um die Sicherheit der Bauern sowie die eigenen Rechte und Besitztümer zu schützen, entstanden in dieser Zeit des Hochmittelalters die ersten Burgen, wie auch in Hecklingen eine Burg der Grafen von Nimburg, die der Sicherung der näheren Umgebung diente.


Nach Aussterben der Nimburger während der Zeit der Kreuzzüge kam die Burg an die Grafen von Freiburg, deren Töchterlein sich mit einem Pfalzgrafen von Tübingen verheiratete. Die Pfalzgrafen waren ursprünglich sehr hochstehende Persönlichkeiten, hatten aber schon viel von ihrem Ruhm und Einfluss eingebüßt, als sie von ihrer württembergischen Heimat in den Breisgau übersiedelten. Trotzdem bauten sie ein kleineres Territorium auf, zu dem einige Dörfer der näheren Umgebung zählten.


Die glanzvolle Lebensführung des Adels sowie die zahlreichen Kriegszüge führten zu einer immer stärkeren Besteuerung und Unterdrückung der bäuerlichen Bevölkerung (Übergang von der Natural- zur Geldwirtschaft). Die Situation entlud sich im Bauernkrieg, als sich die Bauern gegen die immer mehr steigenden Abgaben wehrten. Auch die neue Lehre von Luther tat ein Übriges. Die zahlenmäßig überlegenen, aber schlecht bewaffneten und geführten Bauern hatten zunächst einige Erfolge. So verbrannten sie das Kloster Tennenbach und besetzten die Stadt Freiburg, die Burg Lichteneck kam ungeschoren davon, da ihr Besitzer notgedrungen mit den Bauern paktierte. Aber gegen die geballte militärische Macht des Reichsheeres hatten sie keine Chance und unterlagen vollkommen. Sie mussten schwere Strafen an Leib, Leben und Eigentum hinnehmen. Dabei wurden auch in unserer Gegend die aufrührigen Dörfer erfasst, um die Schadensleistungen zu ermitteln. Hecklingen ist in dieser Liste aber nicht aufgeführt, was wohl darauf schließen lässt, dass unter der strengen Aufsicht der Burgherren keine Beteiligung am Aufstand erfolgte.


Trotzdem blieb die Unterdrückung, immer mehr Leute fielen in die Leibeigenschaft. Die Grafen von Tübingen beherrschten ihre Hintersassen und griffen sehr stark in deren Leben ein durch Abgabenforderungen, Fronen, vielfältige Verbote und vorgeschriebene, kostenpflichtige Genehmigungen (wie z.B. zur Heirat). Dazu kamen noch die Plagen durch Naturereignisse wie Überschwemmungen, Hagelschäden, Fröste und Dürren, denen die Bevölkerung hilflos gegenüberstand. Und als ob dies noch nicht genug wäre, entstanden horrende Schäden durch Kriege und Fehden hinzu, unter denen die Bauern wiederum am stärksten litten.


Zur großen Katastrophe artete der Dreißigjährige Krieg aus, bei dem allein die "kleine" Burg Lichteneck sieben Mal von den verschiedenen Kriegsparteien erobert wurde. Im Gefolge davon hatte die ländliche Bevölkerung unter Truppendurchzügen, Plünderungen, Wegnahme des Viehs, Zerstörung der Felder, Mord und Totschlag zu leiden - so wurden bei der Eroberung durch Rheingraf Ludwig über 40 auf die Burg geflüchtete Bauern erschlagen, die Soldaten verschont - mit der Folge von Seuchen und Hungersnöten. Am Ende dieser schrecklichen Kämpfe sollen in Hecklingen nur noch drei Häuser übrig gewesen sein, die gesamte verbliebene Bevölkerung war in die Wälder oder in sicherere Gebiete geflohen.


Nur langsam und unter schwierigsten Bedingungen erfolgte der Wiederaufbau, vielfach durch Zuwanderung aus der Schweiz und aus weniger betroffenen Gebieten. Dieser Neuanfang wurde aber durch weitere Kriege, vor allem die Eroberungskriege des französischen Königs Ludwig XIV. bis zum Rhein, immer wieder gestört. In deren Verlauf wurde auch die Burg Lichteneck erneut erobert und endgültig zerstört.


Schon zuvor waren die Grafen von Tübingen verarmt und mussten ihren Besitz an den Freiherrn von Garnier verkaufen. Erst nach dem Siebenjährigen Krieg kehrte eine gewisse Ruhe und Erholung für die geschundenen Leute ein; es gab eine erste Auswanderungswelle in die fast menschenleeren Gebiete in Ungarn, die die Habsburger von der Türken-herrschaft befreit hatten. Damals kaufte auch der Freiherr von Hennin die Herrschaft Hecklingen und baute gleich zu Beginn das Untere Schloß.


Diese friedliche Zeit endete mit der Französischen Revolution und den darauffolgenden Napoleonischen Wirren. Wiederum erschwerten durchziehende Truppen das Leben, besetzten und verheerten das Land. Die größte Auswirkung auf Hecklingen bedeutete die Abtretung Vorderösterreichs an das neugegründete Großherzogtum Baden, womit die fast 500-jährige Herrschaft Habsburg endete. Dieses aus den verschiedensten historischen Territorien gegründete Gebilde musste viele unterschiedliche Herrschafts- und Religionsformen in sich vereinen, was schließlich durch eine relativ liberale Verfassung gelang. In diesem Zusammenhang ist auch die Ablösung der jahrhundertealten Leibeigenschaften, Fronen und Herrschaftsabgaben zu sehen, die durch ein neues Steuer- und Abgabensystem an den badischen Staat abgelöst wurden. Im Verkehrswesen sorgte der Landesherr durch den Bau der Eisenbahn und die Rheinkorrekturen durch Tulla für eine bessere Verbindung der verschiedenen Zentren seines langgestreckten Landes. Auch der Bau des Leopldkanales wurde zügig durchgeführt und brachte eine große Erleichterung.


Streitereien gab es immer wieder, die Bürger verlangten mehr Freiheiten und Rechte. Dies führte zur 48er-Revolution, die, von Hecker und Struve angeführt, im Süden des Landes begann, dann aber von preußischen Truppen niedergeschlagen wurde. Nach diesen Kämpfen folgte eine lange Friedensphase für die Bevölkerung, wenn auch das Leben auf den von Realteilung immer mehr verkleinerten Lebensgrundlagen beschwerlich genug blieb, so dass in diesen Jahren sehr viele Leute nach Amerika in das "Land der unbegrenzten Möglichkeiten" auswanderten.


Nach der Reichsgründung, in der sog. Kaiserzeit, kamen Neuerungen wie die ersten Tabakfabriken. Diese sogenannte "gute, alte Zeit" endete mit dem Ersten Weltkrieg, in dem auch viele Hecklinger ihr Leben ließen. Die Königs- und Adelsherrschaft wurde nach Kriegsende abgeschafft, an deren Stelle trat die Weimarer Republik. Die Hecklinger erwarben das Untere Schloß und den dazugehörigen Schloßgarten, in dem viele neue Häuser entstanden. Die Zeiten von Inflation und Weltwirtschaftskrise waren gewiss keine "Goldenen 20er Jahre", diese wurden lediglich im Nachhinein verklärt durch den Terror und Schrecken der folgenden Naziherrschaft, die mit dem Desaster Zweiten Weltkrieg endete. Auch hier verloren wieder viele junge Hecklinger ihr Leben, glücklicherweise blieb das Dorf von den Kriegseinwirkungen fast unversehrt.


Auch diese Wunden heilten, und mit dem Wirtschaftswunder kam erstmals auch Wohlstand in das kleine Dorf unterhalb der Burgruine Lichteneck. Im Zuge der Gemeindereform wurde Hecklingen der Nachbarstadt Kenzingen eingemeindet.


Auch heute noch liegt Hecklingen wie zu Zeiten seiner Entstehung beschaulich zwischen Rebenhügeln, Wiesen und Feldern, berührt von der stillen Elz, aber auch die Zeichen der Moderne mit Bundesstraße, Autobahn und Eisenbahn sind unübersehbar.


Text: Walfried Müller

Zeichnungen:  Hermann Eschbach †