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Herzlich Willkommen auf der Website des MGV Lichteneck Hecklingen 1888 e.V.

Quelle: Badische Zeitung vom Mo, 12. Februar 2024 (Werner Schnabl )

Kreatives Bekenntnis zur eigenständigen Dorffasnet

Was wäre ein Fasnetsumzug ohne Motivwagen? Für die Hecklinger Sänger undenkbar. Die Konsequenz: Statt konzentrierter Stimmbildung dominierten bei ihren Treffen Hammer, Säge und Schrauber.

Ups, wo ist das Bild ???

Tagelange Vorarbeit der Hecklinger Sänger für „Schneewittchen und die Gesangsvereinzwerge“. Foto: Verein

Eigenständigkeit ist vielen ehemals selbständigen Gemeinden auch Jahrzehnte nach der Eingemeindung wichtig. Das gilt in Hecklingen nicht nur, aber auch in Sachen Fasnet. Die Lichtenecker stehen mit ihrem Umzug am Fasnetsunndig in Konkurrenz zur fast übermächtigen Narrenzunft in Kenzingen, den Welle-Bengel. Das Dorf hat sich in mehr als einem halben Jahrhundert erfolgreich behauptet.

Von der ersten Stunde an bei der Hecklinger Fasnet dabei sind die Sänger des Gesangvereins. Es sei schon ein Ritual, erzählt Vorstandsmitglied Andreas Hämmerle. "Spätestens zwei Wochen vor dem eigentlichen Umzugsauftritt sind alle im Planungsfieber", ergänzt Hubert Herr.

In diesem Jahr präsentieren sich die Sänger unter dem Motto "Schneewittchen und die Gesangsvereinszwerge".

Am Anfang stand ein Treffen bei einem Sangesbruder, um Ideen für ein närrisches Konzept zu entwickeln. Einig waren sie sich schnell: Natürlich wird ein Wagen mit entsprechender Kulisse gezimmert – diesmal gezogen von Renate Götz auf dem Traktor. Das Ergebnis des ersten Treffens stellte alle zufrieden. Es habe schon Jahre gegeben, in denen die Geistesblitze spärlicher ausfielen, verraten die Sänger.

Die nächsten Tage liefen unter Ausschluss der Öffentlichkeit ab. Es wurde gesägt, gehobelt, gehämmert und gebohrt. In der Scheune herrschte Hochbetrieb. Steht bei den Proben normalerweise konzentriertes Arbeiten im Vordergrund, herrschte bei den Arbeitstreffen eher närrische Spontanität. So manches Plandetail änderte sich während der Umsetzung komplett und schnell. Was zunächst als prima galt, wurde verworfen, das vermeintlich Perfekte im letzten Augenblick noch von Exklusivem abgelöst.

Zwei Tage vor dem Umzugstermin herrschte dennoch hektisches Treiben. Einen Tisch mit sieben Stühlen, Tellern und Besteck galt es standfest auf dem Wagen zu verankern. Nur für sieben Zwerge war Platz auf dem Gefährt. Der Rest der Gruppe muss den Wagen auf dem Weg vom vom Schloss durch das Dorf zu Fuß begleiten. Michael Müller kümmerte sich um die entsprechende Musik aus der Konserve.

Eine gewichtige Frage aber blieb: Wer sollte bei einer reinen Männerwirtschaft Schneewittchen verkörpern? Die Antwort lag diesmal nicht auf der Hand, sondern saß am Klavier. Claudia Mundi, erst seit ein paar Monaten als Chorleiterin in den Diensten des Männergesangvereins, signalisierte ihre Bereitschaft für den märchenhaften Auftritt. Freie Gesangseinlagen sind gesetzt – zur Freude des sangesfreudigen Zwergenvölkchens und der Zuschauer entlang des Umzugsweges.