Herzlich Willkommen auf der Website des MGV Lichteneck Hecklingen 1888 e.V.

Die Geschichte von Hecklingen


Unterhalb der Burg Lichteneck im Breisgau liegt das Dorf Hecklingen, durchzogen von der alten Landstra├če, an drei Seiten von Weinbergen umgeben, im Westen von der Elz begrenzt. Dies waren auch die Faktoren, die das Leben der Einwohner Jahrhunderte hindurch bestimmten.

Die exponierte Lage des Schlo├čberges oberhalb der fischreichen Elz verlockte wohl schon stein- und bronzezeitliche J├Ąger und Sammler zu einer Niederlassung, was auch durch aufgefundene Pfeilspitzen belegt ist. Auch die R├Âmer erkannten die wichtige strategische Lage dieses Ortes und legten zumindest einen Aussichtspunkt, vermutlich sogar ein kleines Kastell an. Mauerfunde und ├╝berlieferte Gewannnamen wie Steinhauser, Heerstra├če und Spiegler belegen dies.

Doch auch die Zeit der Weltmacht Rom ging einmal zu Ende, als im Zuge der V├Âlkerwanderungen immer mehr Alemannen in dieses Gebiet dr├Ąngten. So zogen sich die R├Âmer zuerst hinter den Rhein zur├╝ck, w├Ąhrend die neuen Herren erst noch wie gewohnt umherzogen, sich dann aber nach und nach sesshaft niederlie├čen. Dies f├╝hrte in unserer Gegend zur Gr├╝ndung der D├Ârfer mit der Endung -ingen, die sich nach dem Oberhaupt der jeweiligen Sippen benannten. Bei Hecklingen waren das z.B die Stammesangeh├Ârigen eines Hugilo oder Hegilo.

Die ans├Ąssigen Alemannen wohnten in einfachen Holz- oder Erdbauten, sie mieden die Steinh├Ąuser aus der r├Âmischen Zeit. Der Lebensunterhalt wurde durch Jagen und Fischen sowie durch den Anbau einfacher Feldfr├╝chte gesichert. Ihr lockerer Personenverband unterstand einem Herzog, der in Kriegszeiten alle waffenf├Ąhigen M├Ąnner zusammenrief. Mit der Zeit spezialisierten sich jedoch die Anwohner, der Kriegsdienst blieb nur noch bestimmten Leuten ├╝berlassen, w├Ąhrend der Rest der Bev├Âlkerung f├╝r die Nahrungsbeschaffung weitersorgen konnte.

Dies f├╝hrte zu einer immer st├Ąrker ausgepr├Ągten Machtverlagerung an diese Kriegerkaste, aus denen sich dann der landbesitzende Adel, die ersten Barone, Grafen und F?├╝sten, herausbildeten. Die Landwirtschaft betreibende Bev├Âlkerung geriet immer mehr in deren Abh├Ąngigkeit. Um die Sicherheit der Bauern sowie die eigenen Rechte und Besitzt├╝mer zu sch├╝tzen, entstanden in dieser Zeit des Hochmittelalters die ersten Burgen, wie auch in Hecklingen eine Burg der Grafen von Nimburg, die der Sicherung der n├Ąheren Umgebung diente.

Nach Aussterben der Nimburger w├Ąhrend der Zeit der Kreuzz├╝ge kam die Burg an die Grafen von Freiburg, deren T├Âchterlein sich mit einem Pfalzgrafen von T├╝bingen verheiratete. Die Pfalzgrafen waren urspr├╝nglich sehr hochstehende Pers├ľnlichkeiten, hatten aber schon viel von ihrem Ruhm und Einfluss eingeb├╝├čt, als sie von ihrer w├╝rttembergischen Heimat in den Breisgau ├╝bersiedelten. Trotzdem bauten sie ein kleineres Territorium auf, zu dem einige D├Ârfer der n├Ąheren Umgebung z├Ąhlten.

Die glanzvolle Lebensf├╝hrung des Adels sowie die zahlreichen Kriegsz├╝ge f├╝hrten zu einer immer st├Ąrkeren Besteuerung und Unterdr├╝ckung der b├Ąuerlichen Bev├Âlkerung ├ťbergang von der Natural zur Geldwirtschaft. Die Situation entlud sich im Bauernkrieg, als sich die Bauern gegen die immer mehr steigenden Abgaben wehrten. Auch die neue Lehre von Luther tat ein ├╝briges. Die zahlenm├Ą├čig ├╝berlegenen, aber schlecht bewaffneten und gef├╝hrten Bauern hatten zun├Ąchst einige Erfolge. So verbrannten sie das Kloster Tennenbach und besetzten die Stadt Freiburg, die Burg Lichteneck kam ungeschoren davon, da ihr Besitzer notgedrungen mit den Bauern paktierte. Aber gegen die geballte milit├Ąrische Macht des Reichsheeres hatten sie keine Chance und unterlagen vollkommen. Sie mussten schwere Strafen an Leib, Leben und Eigentum hinnehmen. Dabei wurden auch in unserer Gegend die aufr├╝hrigen D├Ârfer erfasst, um die Schadensleistungen zu ermitteln. Hecklingen ist in dieser Liste aber nicht aufgef├╝hrt, was wohl darauf schlie├čen l├Ąsst, dass unter der strengen Aufsicht der Burgherren keine Beteiligung am Aufstand erfolgte.

Trotzdem blieb die Unterdr├╝ckung, immer mehr Leute fielen in die Leibeigenschaft. Die Grafen von T├╝bingen beherrschten ihre Hintersassen und griffen sehr stark in deren Leben ein durch Abgabenforderungen, Fronen, vielf├Ąltige Verbote und vorgeschriebene, kostenpflichtige Genehmigungen (wie z.B. zur Heirat). Dazu kamen noch die Plagen durch Naturereignisse wie ├╝berschwemmungen, Hagelsch├Ąden, Fr├Âste und D├╝rren, denen die Bev├Âlkerung hilflos gegen├╝berstand. Und als ob dies noch nicht genug w├Ąre, entstanden horrende Sch├Ąden durch Kriege und Fehden hinzu, unter denen die Bauern wiederum am st├Ąrksten litten.

Zur gro├čen Katastrophe artete der Drei├čigj├Ąhrige Krieg aus, bei dem allein die "kleine" Burg Lichteneck sieben Mal von den verschiedenen Kriegsparteien erobert wurde. Im Gefolge davon hatte die l├Ąndliche Bev├Âlkerung unter Truppendurchz├╝gen, Pl├╝nderungen, Wegnahme des Viehs, Zerst├Ârung der Felder, Mord und Totschlag zu leiden - so wurden bei der Eroberung durch Rheingraf Ludwig ├╝ber 40 auf die Burg gefl├╝chtete Bauern erschlagen, die Soldaten verschont - mit der Folge von Seuchen und Hungersn├Âten. Am Ende dieser schrecklichen K├Ąmpfe sollen in Hecklingen nur noch drei H├Ąuser ├╝brig gewesen sein, die gesamte verbliebene Bev├Âlkerung war in die W├Ąlder oder in sicherere Gebiete geflohen.

Nur langsam und unter schwierigsten Bedingungen erfolgte der Wiederaufbau, vielfach durch Zuwanderung aus der Schweiz und aus weniger betroffenen Gebieten. Dieser Neuanfang wurde aber durch weitere Kriege, vor allem die Eroberungskriege des franz├Âsischen K├Ânigs Ludwig XIV. bis zum Rhein, immer wieder gest??rt. In deren Verlauf wurde auch die Burg Lichteneck erneut erobert und endg├╝ltig zerst├Ârt.

Schon zuvor waren die Grafen von T├╝bingen verarmt und mussten ihren Besitz an den Freiherrn von Garnier verkaufen. Erst nach dem Siebenj├Ąhrigen Krieg kehrte eine gewisse Ruhe und Erholung f├╝r die geschundenen Leute ein; es gab eine erste Auswanderungswelle in die fast menschenleeren Gebiete in Ungarn, die die Habsburger von der T├╝rken-herrschaft befreit hatten. Damals kaufte auch der Freiherr von Hennin die Herrschaft Hecklingen und baute gleich zu Beginn das Untere Schlo├č.

Diese friedliche Zeit endete mit der Franz├Âsischen Revolution und den darauffolgenden Napoleonischen Wirren. Wiederum erschwerten durchziehende Truppen das Leben, besetzten und verheerten das Land. Die gr├Â├čte Auswirkung auf Hecklingen bedeutete die Abtretung Vorder├Âsterreichs an das neugegr├╝ndete Gro├čherzogtum Baden, womit die fast 500-j├Ąhrige Herrschaft Habsburg endete. Dieses aus den verschiedensten historischen Territorien gegr├╝ndete Gebilde musste viele unterschiedliche Herrschafts- und Religionsformen in sich vereinen, was schlie├člich durch eine relativ liberale Verfassung gelang. In diesem Zusammenhang ist auch die Abl├Âsung der jahrhundertealten Leibeigenschaften, Fronen und Herrschaftsabgaben zu sehen, die durch ein neues Steuer- und Abgabensystem an den badischen Staat abgel??st wurden. Im Verkehrswesen sorgte der Landesherr durch den Bau der Eisenbahn und die Rheinkorrekturen durch Tulla f├╝r eine bessere Verbindung der verschiedenen Zentren seines langgestreckten Landes. Auch der Bau des Leopldkanales wurde z├╝gig durchgef├╝hrt und brachte eine gro├če Erleichterung.

Streitereien gab es immer wieder, die B├╝rger verlangten mehr Freiheiten und Rechte. Dies f├╝hrte zur 48er-Revolution, die, von Hecker und Struve angef├╝hrt, im S├╝den des Landes begann, dann aber von preu├čischen Truppen niedergeschlagen wurde. Nach diesen K├Ąmpfen folgte eine lange Friedensphase f├╝r die Bev├Âlkerung, wenn auch das Leben auf den von Realteilung immer mehr verkleinerten Lebensgrundlagen beschwerlich genug blieb, so dass in diesen Jahren sehr viele Leute nach Amerika in das "Land der unbegrenzten M├Âglichkeiten" auswanderten.

Nach der Reichsgr├╝ndung, in der sog. Kaiserzeit, kamen Neuerungen wie die ersten Tabakfabriken. Diese sogenannte "gute, alte Zeit" endete mit dem Ersten Weltkrieg, in dem auch viele Hecklinger ihr Leben lie├čen. Die K├Ânigs- und Adelsherrschaft wurde nach Kriegsende abgeschafft, an deren Stelle trat die Weimarer Republik. Die Hecklinger erwarben das Untere Schlo├č und den dazugeh├Ârigen Schlo├čgarten, in dem viele neue H├Ąuser entstanden. Die Zeiten von Inflation und Weltwirtschaftskrise waren gewiss keine "Goldenen 20er Jahre", diese wurden lediglich im Nachhinein verkl├Ąrt durch den Terror und Schrecken der folgenden Naziherrschaft, die mit dem Desaster Zweiten Weltkrieg endete. Auch hier verloren wieder viele junge Hecklinger ihr Leben, gl├╝cklicherweise blieb das Dorf von den Kriegseinwirkungen fast unversehrt.

Auch diese Wunden heilten, und mit dem Wirtschaftswunder kam erstmals auch Wohlstand in das kleine Dorf unterhalb der Burgruine Lichteneck. Im Zuge der Gemeindereform wurde Hecklingen der Nachbarstadt Kenzingen eingemeindet.

Auch heute noch liegt Hecklingen wie zu Zeiten seiner Entstehung beschaulich zwischen Rebenh├╝geln, Wiesen und Feldern, ber├╝hrt von der stillen Elz, aber auch die Zeichen der Moderne mit Bundesstra├če, Autobahn und Eisenbahn sind un├╝bersehbar.

Text: Walfried M├╝ller

Zeichnungen: Hermann Eschbach †